Gastroenterologie
Diarrhoe, chronische: Diagnose
Definition
Zu häufige Entleerung (mehr als 3x tgl.) und/oder zu dünne Stühle (> 200 ml Wasser/24 Std.) Polyätiologisches Symptom zahlreicher funktioneller und organischer Störungen, Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes und anderer Organsysteme. Wesentliche pathophysiologische Merkmale sind die beschleunigte Darmpassage, verminderte intestinale Flüssigkeitsresorption, vermehrte intestinale Flüssigkeitssekretion.
</strong>geordnet nach Organen und Häufigkeit (nach BOCKUS)
Funktionelle Entero-Kolonopathien
- irritables Kolon
- Colica mucosa
- psychogene Diarrhoen (häufig mit Schleim-, aber keinen Blutbeimengungen) - häufigste Ursache
Organische Kolonerkrankungen
- Divertikulitis
- Tumoren
- chronische ulzerative Kolitis (häufig Blut, Schleim und Eiter)
- M. Crohn
- Kollagenkolitis ("mikroskopische Kolitis")
Dünndarmerkrankungen
können evtl. als "innerer Durchfall" vom Kolon kompensiert werden
- Malabsorptionssyndrome (Sprue-Zöliakie, M. Whipple, Amyloidose, maligne oder benigne Lymphome, ausgedehnte Dünndarmresektion, Entero-Kolostomie - Steatorrhoe, Stuhlgewicht über 200 g/24 Std.)
- M. Crohn
- Laktoseintoleranz bei intestinalem Laktasemangel
- mesenteriale Durchblutungsstörung
- intestinale Lymphangiektasie mit eiweißverlierender Enteropathie
- bakterielle Überwucherung mit Dekonjugation von Gallensäuren beim Syndrom der blinden Schlinge ("bacterial overgrowth")
- Dünndarmdivertikel
- Motilitätsstörungen (Sklerodermie, Diabetes mellitus)
- chologene Diarrhoe
Magenerkrankungen
- nach Magenresektionen (Sonderform: Dumping-Syndrom)
- Vagotomie; Syndrom der blinden Schlinge
Laxanzienabusus
besonders Drastika mit Senna und Aloe
Merke: Laxanzien sind in einer Reihe von anderen Medikamenten "verborgen", wie z.B. in Leber- und Gallepräparaten und Schlankheitsmitteln sowie Magnesium in Antazida und Elektrolytlösungen.
Medikamenteneinnahme
Zu Diarrhoen können manche Diuretika, Digitalisglykoside, Antibiotika, L-Thyroxin, Gallensäuren (Chenodesoxycholsäure, Pankreasfermente mit Gallensäurenzusatz) führen.
Pankreaserkrankungen
- chronische Pankreatitis - reflektorisch; erst spät durch Maldigestion
- Hormonproduzierende Pankreastumoren (VIP, Gastrin)
- Zollinger-Ellison-Syndrom: verstärkter Einstrom von Flüssigkeit bzw. Magensaft in den Darm
Leber-Galle-Affektionen</p> Systemerkrankungen
- Urämie
- Nahrungsmittelallergie
- Hyperthyreose
- M. Addison
- Diabetes
- Karzinoid-Syndrom
Chronische Darminfektionen
Nahrungsmittelallergie
oft schwer zu objektivieren - Beginn mit allergenarmer Grunddiät, sukzessives Zufügen von einzelnen Nahrungsbestandteilen
Parasiten; Protozoen
- Entamoeba histolytica
- Balantidien
- Lamblien
- Trichomonaden
- Würmer: Askariden, Bandwürmer, Hakenwürmer, Schistosomen
Reflektorisch von Erkrankungen außerhalb des Kolons ausgehend
Erkrankungen des Urogenitaltraktes, der Gallenblase, der Appendix
Neurologische Erkrankungen
- Tabes
- intrakranielle Prozesse
- Anamnese: siehe Stufenplan
- Stuhluntersuchung
- Makroskopisch (Blut, Schleim, Eiter, Geruch, Konsistenz)
- Mikroskopisch (Nahrungsmittelreste, Amöben, Parasiten, Larven, Eier)
- Kulturell (bakteriologisch, virologisch)
- Elastase im Stuhl (3-malig; Pankreasinsuffizienz?)
- pH mittels Teststreifen (sauer - Gärung [Kohlenhydrat-Malabsorption]; alkalisch - Fäulnis)
- Gewicht (ein normales Gewicht unter 150 g/24 Std. schließt eine relevante Steatorrhoe praktisch aus)
- Rektale Untersuchung:
- Tumore
- Kotsteine
- Goldstandard: Rektokoloileoskopie mit Biopsie:
- chronische ulzerative Kolitis
- M. Crohn
- Tumor
- Kollagenkolitis
- Parasitenerkrankung
- Infektion mit invasiven Erregern
- Gastroskopie mit tiefer Duodenalbiopsie:
- Lymphom
- Zöliakie
- M. Whipple
- Lamblien
- Resorptionstests (Lactose, Fructose)
- Biopsie bei Dünndarmerkrankungen
- Glucose-H2-Test (bacterial overgrowth)
- Sekretionsanalysen des Magens
- Gastrinbestimmung: Zollinger-Ellison-Syndrom
- Röntgenuntersuchung des Magen-Darmtraktes (v.a. Enteroklysma-CT):
- innere Fisteln
- blinde Schlingen
- M. Crohn
Merke: Eine osmotische Diarrhoe, ausgelöst durch nicht resorbierte Nahrungsbestandteile, sistiert beim Fasten, eine sekretorische Diarrhoe hält dagegen an.
| Diagnostischer Stufenplan: Chronische Diarrhoe | |||||
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Chronische Diarrhoe (>2 Wochen)
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Anamnese (z.B. Arzneimittel)
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Basisbefunde: Blutbild, BKS, CRP
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| Verdacht: funktionell |
Verdacht: organisch
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Verdacht auf
endokrin, metabolisch |
Verdacht auf
Malabsorption Verdacht auf Maldigestion |
Verdacht auf
infektiöse Genese (Bakterien, Parasiten) |
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T3, T4-Bestimmung (Hyperthyreose) Bestimmung von 5-Hydroxyindol-essigsäure |
Suchtests auf Malabsorption |
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Stuhlkultur; Serologie ggf. Endoskopie / Biopsie |
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1E nach Verdacht, CT-Abdomen, Scan Octreotid
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Spezielle Tests der Resorption und Pankreasfunktion
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Endoskopie / Biopsie, |
Glucose-H2-Test
(bacterial overgrowth) |
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Organdiagnose
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